Auf der Lauer, nach 100 Tagen

Ich würde nicht sagen, dass Christoper Lauer begnadet darin wäre wichtige komplizierte Sachthemen mühselig voran zu tragen und zu erläutern, aber ab und an höre und sehe ich ihm ganz gerne zu. Die Reden und die Kritik sind durchaus treffsicher und schön vorgetragen und er sagt immer wieder Dinge, die sich viele schon lange gedacht haben, aber die man nach höfischer Gepflogenheit lieber wegschweigt. Tja, Lauer sagt es halt, mit etwas Humor und schön dargestellt :-)

flattr this!

Ich habe heute leider meine Kresse vergessen …

Berliner Abgeordnetenhaus – Piratenpartei
Christopher Lauer zur Regierungserklärung 12.1.2012

Wer von Politik genervt ist, das alles sowieso nur für eine große Verarsche hält, den Politikern mal gerne die Meinung sagen würde und denkt, dass die Piraten auch nie was leisten werden, der kann sich hier einmal 8 Minuten lang amüsieren, informieren und emotional einfinden in eine Rede die mir seit langer langer Zeit gefehlt hat in einem Deutschen Parlament und bei der jemand endlich einmal mit seinen eigenen Worten allen sagt was wirklich Sache ist, inklusive der Selbsreflektion wieviel das wohl bringen wird und dennoch, zu Recht, fest davon überzeugt dass es einfach gesagt werden muss. Ich danke ihm dafür.

Mehr von Christopher Lauer gibt es in seinem Blog: http://www.christopherlauer.de/
ebenso seine Rede.

Wer ihn hier zum ersten Mal erlebt, dem mag die Rede ein wenig gehetzt vor kommen. Entscheidend ist jedoch, dass er die richtigen und wichtigen Sachen sagt und er sich, wie er selbst bemerkt, dem Alltagstrott des Berliner Parlamentes nicht unterordnet. Vielleicht kann man nichts ändern, doch auch noch darüber zu Schweigen, wäre keine Lösung sondern nur mehr Resignation. Und von Resignation, und auch das betont er in seiner Rede, hat dieses Parlament schon viel zu viel.

Dass Christopher Lauer hier seine eigenen Worte spricht und in jedem Satz auch das ausspricht und formuliert, was er fühlt und denkt, wurde sehr deutlich. Dass er auch dazu steht, nicht zu den Klassenlieblingen gehört zu haben, ehrt ihn. Und als er sich spontan und laut den Verunglimpfungen und Zwischenrufen entgegen stellt, hat er seinen stärksten Moment in der Rede. Von solchen Momenten können wir uns in Zukunft noch viel mehr erhoffen. Gleichzeitig hat er sich in seiner Rede nicht verzettelt, wie es ihm sonst oft passierte. Er ist nicht mit lustigen Nebensatzreihen auf einer kommentierenden Metaebene stecken geblieben, sondern er hat das was er zu sagen hat durchgezogen in einem zeitlich klar abgesteckten Rahmen. Das ist rund um positiv und macht diese Rede zu einer, die es verdient in ein Kabinett von guten Reden, an die man sich erinnern sollte aufgenommen zu werden.